Neulich habe ich eine Folge des Podcasts SmartLess mit dem Schauspieler Steve Zahn gehört. Er erzählte davon, wie er in den 90er-Jahren bei Dreharbeiten seine freie Zeit in seinem Trailer am Set verbrachte. Keine Geräte, keine Ablenkung. Während der Dreharbeiten zu einem Film hatte Ben Stiller ihm eine Gitarre geschenkt, und in all dieser ruhigen freien Zeit lernte er, Gitarre zu spielen.

Das hat mich noch eine Weile beschäftigt.

Stell dir vor, du hast stundenlang nichts zu tun an einem Filmset und sitzt einfach mit einer Gitarre in deinem Wohnwagen. Kein Handy, das du checken kannst. Keine sozialen Medien, durch die du scrollen kannst. Kein endloser Strom von Dingen, die du anschauen, lesen oder anhören kannst.

Das hat mich ein wenig wehmütig gemacht.

Früher ergab es sich ganz natürlich, einfach mal nichts zu tun. Heute greifen die meisten von uns ganz automatisch zum Handy oder zu irgendeiner anderen Ablenkung, sobald wir ein paar freie Minuten haben. Wir entscheiden uns nicht einmal unbedingt bewusst dafür. Unsere Hand greift einfach nach dem Handy.

Nichts zu tun ist zu etwas geworden, für das wir uns bewusst entscheiden müssen.

Ich liebe es, nichts zu tun. Mein Lieblingsort dafür ist wahrscheinlich irgendwo in der Natur oder auf meinem Gartensitzplatz, wo ich einfach in die Bäume oder den Himmel gucke.

Oder ich schaue im Zug zum Fenster hinaus und lasse die Landschaft an mir vorbeiziehen – und meistens bin ich die Einzige, die das tut.

Unsere Sinne sind ständig mit Informationen überflutet. Es gibt so viel aufzunehmen, zu verdauen und zu verarbeiten. Und dann wundern wir uns, warum wir uns überfordert fühlen.

Unsere Nerven brauchen Momente, in denen nichts passiert.

Sie brauchen Momente, in denen nichts von uns verlangt wird und wir nichts aufnehmen müssen. Momente, in denen wir einfach sein können.

Das ist eines der Dinge, die ich an Qi Gong & Stillness so liebe. Nichts zu tun ist tatsächlich ein Teil der Praxis.

Wir stehen, wir bewegen uns sanft – und gar nicht.

Wir sitzen, wir bewegen uns sanft – und gar nicht.

Wir liegen, wir bewegen uns sanft – und gar nicht.

Am Ende einer Lektion machen wir zum Beispiel oft eine Übung namens „Yang Qi Fa“. Wir liegen oder sitzen und schaffen einfach Raum dafür, dass sich das Qi setzen kann. Nach all der Bewegung, ob körperlich oder indem wir das Qi lediglich mit unserer Vorstellungskraft lenken, treten wir bewusst einen Schritt zurück.

Wir versuchen nicht, etwas geschehen zu lassen.

Wir versuchen nicht, etwas zu verändern oder zu reparieren.

Wir lassen das Qi einfach wirken – sich neu ordnen, zur Ruhe kommen und seiner eigenen Weisheit folgen.

Nichts zu tun kann sich anfangs fast unangenehm anfühlen. Wir sind so daran gewöhnt, jede noch so kleine Lücke zu füllen. Wir warten auf den Zug? Handy checken. Wir warten darauf, dass das Wasser kocht? Handy checken. Noch ein paar Minuten bis zum Termin? Handy checken. Es gibt immer etwas, womit wir die Lücke füllen können.

Ich frage mich, warum es uns so wichtig ist, diese Lücke zu füllen. Wovor haben wir Angst?

Wir brauchen diese „Lücke“, diesen Raum. Unsere Kreativität braucht ihn. Unsere Gedanken brauchen ihn. Unsere Energie braucht ihn. Und unsere Nerven brauchen einfach einen Moment, in dem nichts auf sie einströmt.

Nichts zu tun ist nicht nichts.

Es gibt uns Raum, zu verdauen, zu verarbeiten und wieder zu uns selbst zurückzufinden.

Und manchmal entsteht aus diesem Raum etwas völlig Unerwartetes – wie bei Steve Zahn, der in seinem Wohnwagen mit einer Gitarre sass. Hätte er wohl die Inspiration verspürt, Gitarre zu lernen, wenn er ein Handy gehabt hätte?

Und übrigens: Vielleicht passiert überhaupt nichts, wenn wir nichts tun.

Und auch das ist wunderbar.

Darf ich dich auf diesem schönen Weg des „Nichts-Tuns“ begleiten?